Common ownership

Common Ownership“, auf Deutsch in etwa „gemeinsame Eigentümerstrukturen“, bedeutet, dass ein Investor gleichzeitig Anteile an mehreren Unternehmen hält. ... Demnach bezeichnen wir diesen Investor als gemeinsamen Eigentümer dieser drei Firmen.

Prof. Jo Seldeslachts, Ph.D., Professor an der KU Leuven und Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung Unternehmen und Märkte am DIW Berlin

1.  „Common Ownership“, auf Deutsch in etwa „gemeinsame Eigentümerstrukturen“, bedeutet, dass ein Investor gleichzeitig Anteile an mehreren Unternehmen hält. Noch etwas präziser formuliert: der gleiche Investor hält Anteile an mehreren Firmen, die im gleichen Produktmarkt miteinander im Wettbewerb stehen.

2. Ein Beispiel ist die chemische Industrie in Deutschland. Die größten Chemieunternehmen sind BASF, Bayer und Linde. Diese Firmen sind in Deutschland und international eindeutig Wettbewerber. Es zeigt sich, dass ein großer US-amerikanischer Investor, BlackRock, 9 Prozent der Anteile von BASF hält, 10 Prozent von Bayer und 7 Prozent von Linde. Demnach bezeichnen wir diesen Investor als gemeinsamen Eigentümer dieser drei Firmen.

3.  In den letzten Jahren sind die größten Investoren weiter gewachsen. Entsprechend hat sich auch die Konzentration in dem Markt, den wir Investorenmarkt nennen, erhöht.

4. Schon seit langem besitzen deutsche institutionelle Investoren gleichzeitig Anteile an unterschiedlichen deutschen Firmen. Es zeigt sich aber, dass die Bedeutung dieser Investoren abgenommen hat und einige neue, internationale Investoren stark an Bedeutung gewonnen haben. Die Top-Investoren großer deutscher Firmen kamen früher oft aus Deutschland, heute kommen sie zunehmend aus dem Ausland.

5. Welche deutschen Wirtschaftszweige standen im Fokus Ihrer Untersuchungen? Wie haben uns die chemische Industrie und die Automobilindustrie näher angeschaut, um unterschiedliche Grade gemeinsamer Eigentümerstrukturen in diesen beiden sehr wichtigen deutschen Industriebranchen aufzuzeigen. Die größten Chemieunternehmen haben einen wesentlich höheren Grad an Common Ownership als die führenden Automobilbauer.

6. Warum sind die Eigentümerstrukturen in der chemischen Industrie stärker verflochten als im Automobilbau? Das ist eine gute Frage, deren Beantwortung über unseren Untersuchungsrahmen hinausginge. Jedenfalls gab es am Anfang der Untersuchungsperiode in der Automobilindustrie vor allem das, was wir „Insider-Investoren“ nennen, also Privatpersonen oder staatliche Investoren. Diese Situation hat sich in den letzten Jahren kaum verändert. In der chemischen Industrie hatten große institutionelle Investoren bereits im Jahr 2007 viele gemeinsame Unternehmensbeteiligungen. Dabei handelte es sich weitgehend um deutsche Investoren. Sie wurden in der Zwischenzeit oft von internationalen Investoren abgelöst, wobei der Verflechtungsgrad hoch blieb.

7. Welche Auswirklungen haben gemeinsame Eigentümerstrukturen auf Produktmärkte? Theoretisch können ge - mein same Eigentümerstrukturen sowohl negative als auch positive Auswirkungen haben. Die negativen Effekte sind naheliegend: wenn zwei Firmen den gleichen Eigentümer haben, dann könnte es für beide einen Anreiz geben, auch die Gewinne der anderen Firmen im Blick zu haben und weniger scharf zu konkurrieren. Dies kann zu überhöhten Marktpreisen führen, zum Nachteil der Konsumenten. Die positive Seite ist, dass die Firmen ihre Innovationsaktivitäten besser koordinieren können, was letztendlich auch den Konsumenten nützen würde.

8. Muss das Phänomen gemeinsamer Eigentümerstrukturen stärker beobachtet und reguliert werden? Zum jetzigen Zeit punkt ist nicht klar, ob beispielsweise die Monopolkommission oder das Bundeskartellamt hier tätig werden sollten, denn wir wissen noch nicht, in welchen Zusammenhängen gemeinsame Eigentümerstrukturen positive oder negative Folgen haben. Aber es ist klar, dass es sich in Hinblick auf Wettbewerbsfragen um ein sehr wichtiges Phänomen handelt. Deshalb sollten die Behörden die Situation verstärkt beobachten. Mjedein Rat wäre  im Moment nicht weitergehend einzuschreiten, da wir noch nicht genügend über die Auswirkungen gemeinsamer Eigentümerstrukturen wissen.

Das Gespräch führte Erich Wittenberg.

 

Prof. Martin Schmalz, University of Michigan: "Der Gewinn einer ganzen Branche ist dann am größten, wenn der Drang jedes einzelnen Unternehmens, zu anderen ­Vertretern derselben Branche in Konkurrenz zu treten, wirksam ausgeschaltet wird."

Diversifikation ist eines der wichtigsten Argumente für die Anlage in einem Investmentfonds. Dass gerade der damit verbundene Vorteil angesichts immer größer werdender Investment-gesellschaften und einer zunehmenden Konzentration in der Branche zu einem Problem werden könnte, erscheint deshalb umso erstaunlicher. Martin Schmalz hat sich der Erforschung des Problems gewidmet. Vor allem den sehr großen Branchen-teilnehmern der Fonds-industrie dürften seine Erkenntnisse nicht gefallen.

Schmalz hat sich seit geraumer Zeit mit einer Problematik in der Ökonomie beschäftigt, die mit dem englischen Begriff "Common Ownership" beschrieben wird, was sich wohl am besten mit "gemeinsame Eigentümer-strukturen" ins Deutsche übertragen lässt. "Durch das immense Wachstum, das die weltweite Fondsindustrie in den vergangenen Jahren verzeichnen konnte, ist dabei eine Situation entstanden, die dazu angetan ist, Konkurrenz im Keim zu ersticken beziehungsweise Wettbewerb zu untergraben", stellt Schmalz im Interview fest. "Wir wissen aber schon seit 1776, dem Jahr, in dem Adam Smith sein Opus magnum 'Wohlstand der Nationen' veröffentlicht hat, dass geringerer Wettbewerb und damit einhergehend höhere Preise nicht nur die gesamtwirtschaftliche Nachfrage, sondern auch den Wohlstand insgesamt reduzieren."

Wohlstand entstehe nun einmal gerade dadurch, dass Unternehmen im Wett-bewerb zueinander stehen und versuchen, Kunden für sich zu gewinnen. "Sie tun das, indem sie entweder bessere Produkte anbieten oder vorhandene Produkte zu einem günstigeren Preis anbieten", so Schmalz. Wenn man also Wettbewerb reduziere, führe das zu weniger Wohlstand für die Gesamtwirtschaft. Ein großer Anreiz für Wettbewerb bestehe aber nur dann, wenn sich die Eigentümerstrukturen eines Unternehmens nicht zu stark überlappen.

"Grundsätzlich ist Diversifikation gut für die Investoren – das ist ein mathe-matischer Fakt", räumt Schmalz vor diesem Hintergrund im Interview ein. Genauso sei es aber ein Fakt, dass die heutige Situation eine andere sei als jene, die Adam Smith in seinen Überlegungen zum Wohlstandseffekt von Wettbewerb zwischen Unternehmen unterstellt habe. "Wenn große Vermögensverwalter hunderte oder sogar tausende Unternehmen in ihrem Portfolio führen, dann identifizieren sie sich einfach nicht mehr mit 'ihrer' Firma, wie das Smith annimmt", so Schmalz.