Segen und Fluch des Eigentums

 


Glossar Segen und Fluch des Eigentums BR Stand: 27.06.2007
 
Begriff Erklärung
Akkumulation bedeutet aus dem Lateinischen übersetzt "Anhäufung". Im Wirtschaftszusammenhang wurde der Begriff von Nationalökonomie und Marxismus geprägt und bezeichnet demnach die Anhäufung von Reichtum, vor allem von Produktionsmitteln.
Eigentum Eine Sache, über die jemand nach geltender Rechtsnorm verfügen kann. Umgang mit Eigentum und Verpflichtungen, die damit verbunden sind, haben Philosophen aller Jahrhunderte stark beschäftigt. Zwei Positionen sind bis heute sehr mächtig: Die Philosophie Hegels, die besagt, dass Privateigentum die Voraussetzung von Freiheit ist; und die Theorie von Karl Marx, dass Privateigentum die Voraussetzung für Ausbeutung, Entfremdung und Unterdrückung bedeutet. In der neuzeitlichen Diskussion um Eigentum stehen Aspekte wie "Verteilungsgerechtigkeit" und "Chancengleichheit" im Vordergrund.
Kapitalismus Begriff, der in seiner aktuellen Bedeutung durch Karl Marx (s. Marxismus) geprägt wurde. Demnach ist der Kapitalismus eine Wirtschaftsform, die ausschließlich auf die Maximierung des Gewinns abzielt. Dabei befinden sich die Produktionsmittel im Privatbesitz, die Eigentümer steuern das Wirtschaftsgeschehen über die Prinzipien des Marktes.
Marxismus-Leninismus Ökonomisch-gesellschaftliche Theorie, begründet von Karl Marx (1818-1883) und Friedrich Engels (1820-1895). Eine zentrale These ihrer kritischen Gesellschaftstheorie lautet: "Das Sein bestimmt das Bewusstsein". Demnach ist der Mensch das Resultat seiner eigenen Arbeit. Unter den Bedingungen des Privateigentums und des Kapitalismus müsse der Mensch allerdings entfremdet von sich leben und werde ausgebeutet. Wichtigstes Werk: "Das Kapital", 1867 veröffentlicht. Aus Marx’ und Engels’ Kritik der politischen Ökonomie wurde der Sozialismus begründet. Der Marxismus-Leninismus (nach Karl Marx und dem Sowjetführer Wladimir Iljitsch Lenin, 1870-1924) wurde zur Ideologie zahlreicher Staaten, vor allem in Osteuropa.
Neoliberalismus Wirtschaftspolitische und sozialphilosophische Theorie des 20. Jahrhunderts, nach der alle ökonomischen Prozesse über den Markt, d. h. über einen möglichst freien Wettbewerb, gesteuert werden sollen. Jegliche Formen von Staatsinterventionen in Form von Subventionen oder Planwirtschaft werden abgelehnt. Der Staat soll nur dazu dienen, die Rahmenbedingungen für den freien Wettbewerb zu schaffen und zu erhalten
Polis (auch Stadtstaaten) Polis bedeutet aus dem Griechischen übersetzt "Stadt" oder "Burg". Im antiken Griechenland (Blütezeit 6.-4. Jhd. v. Chr.) war damit der Stadtstaat gemeint, bzw. die Gemeinschaft ihrer Bürger (Politen). Die Zugehörigkeit war festgelegt durch feste soziale und ethnische Kriterien; Sklaven und Fremde gehörten nicht dazu. In einer Verfassung waren die Rechte und Pflichten der Bürger festgelegt, alle wichtigen politischen Fragen wurden von der Volksversammlung behandelt und entschieden. Zu den bedeutendsten Stadtstaaten zählten Sparta und Athen.
Prosperität Lateinisch für Wohlstand und Erfolg. In der Wirtschaft bedeutet Prosperität eine Phase des allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwungs.
Sozialismus Gesellschaftstheorie, die als Gegenmodell zum Kapitalismus entwickelt wurde. Nach marxistischer Lehre ein Zustand des Übergangs von der kapitalistischen zur marxistisch-kommunistischen Gesellschaft. Der freiheitliche oder demokratische Sozialismus fordert eine Gesellschaft, die vor allem die freie Entfaltung des Individuums, die Gültigkeit der Grundrechte und die demokratische Mitbestimmung fördert. Nachteile der ungleichen Eigentums- und Einkommensverteilung sollen durch den Staat möglichst aufgehoben werden.
Steuern Abgaben, die öffentlich-rechtliche Gemeinwesen (der Staat, aber auch die Kirchen u.a.) zwangsweise einfordern zur Deckung des öffentlichen bzw. staatlichen Finanzbedarfs. Steuern sollen staatliche oder andere öffentliche Leistungen für das Gemeinwohl finanzieren (Bildungs- und Erziehungseinrichtungen, Krankenhäuser, Straßenbau etc.), dem Schutz von Privatpersonen und deren Eigentum (Polizei etc.) oder der Erfüllung von Gemeinschaftsaufgaben (Versorgung von Arbeitslosen, Alten etc.) dienen. Steuern sind die größte Einnahmequelle des Staates.
Zinsen

Lateinisch "Zensus", Abgabe. Zinsen werden bezahlt als Preis für die Überlassung von Geld oder Kapital. Zinseszinsen sind demnach Zinsen, die entstehen, wenn fällige Zinsen nicht bezahlt, sondern dem Kapital hinzugefügt- und zusätzlich verzinst werden. Zinsen können entweder Erträge sein (aus Geld, das anderen überlassen wurde) oder Abgaben (z.B. Kreditzinsen für geliehenes Geld).

 

Personen
Name Werdegang
Badesalz Hessisches Comedy-Duo, bestehend aus Hendrik "Henni" Nachtsheim und Gerd Knebel.
Duchrow, Ulrich (*1935) Professor für systematische Theologie an der Universität Heidelberg. Er zählt zu den Vertretern des kirchlichen Antikapitalismus. Kapitalismus bedeutet aus seiner Sicht Häresie (Irrglaube im weiteren Sinn); bereits 1970 veröffentlichte er die Untersuchung „Christenheit und Weltwirtschaft“. Durch die Globalisierung der Wirtschaft und die dagegen gerichteten Protestbewegungen werden seine Thesen sehr intensiv diskutiert.
Lukrez (99 v. Chr. - 55 v. Chr.) Geboren als Titus Lucretius Carus, römischer Dichter und Philosoph. Lukrez war ein Schüler von Epikur und verfasste Schriften in Versform. Ziel seiner Lehren ist die Befreiung des Menschen von Religion und Aberglauben durch Erkenntnis der Zusammenhänge in der Natur. Sein zentrales Werk "De rerum natura" - "Über die Natur" umfasst sechs Bände.
Mill, John Stuart (1806-1873) Britischer Nationalökonom und Philosoph. Er versuchte eine Wissenschaftsmethodik zu entwickeln, mit der man in Themengebieten wie Politik und Soziologie ebenso präzise Prognosen formulieren konnte, wie sie in der Physik möglich waren. Dazu sollte das "System der deduktiven und induktive Logik" dienen, der Lehre von den richtigen Verallgemeinerungen aus genauen Einzelbeobachtungen. Gemeinsam mit seiner Frau Harriet Taylor veröffentlichte er 1848 die "Grundsätze der politischen Ökonomie", in der u.a. die Ursachen des niedrigen Frauenlohns analysiert wurden.
Schumacher, Ernst Friedrich (1911-1977) Geborgen in Bonn, in den 30er Jahren nach England emigriert Studium der Volkswirtschaftslehre in Bonn und Berlin und an der "London School of Economics and Political Science". Während des Krieges und nach Kriegsende arbeitete "Fritz" Schumacher als Wirtschaftberater der britischen Regierung, u.a. als Chefökonom der Kohlebehörde, die mit 800.000 Angestellten einer der größten Organisationen ihrer Zeit war. Seiner Überzeugung nach ist eine gute Arbeit für die menschliche Entwicklung wesentlich. Berühmt wurde er durch sein Buch "Small is beautiful - Die Rückkehr zum menschlichen Maß", das er 1973 veröffentlichte. Dieser Titel wurde zum Leitspruch einer Bewegung, die sich gegen die Maxime vom ewigen Wachstum in der Wirtschaft als Voraussetzung für den Wohlstand einer Gesellschaft wandte.
Shaw, Bernard (1856-1950) In Dublin geboren, absolvierte er dort eine kaufmännische Lehre und ging 1876 nach London. Er schrieb Romane, arbeitete als Musik- und Theaterkritiker und wurde einer der berühmtesten englischsprachigen Dramatiker. Durch seine intensive Beschäftigung mit den Schriften von Karl Marx, Friedrich Nietzsche und anderen und wurde zum entschiedenen Sozialisten und scharfen Gesellschaftskritiker. Sein Bekennermut und sein wortgewandtes Engagement verschafften ihm bald Weltruf. Die Bühne benutzte er als "moralische Anstalt". Er bekämpfte die herrschende Wirtschaftsordnung und die überlieferten Gemeinschaftsfo
   
   
rmen und wandte sich gegen gesellschaftliche Heuchelei und religiöse Unduldsamkeit. Zu seinen bedeutendsten Werken gehören "Candida", "Pygmalion", "Der Kaiser von Amerika", sowie "Mensch und Übermensch" und "Die heilige Johanna". 1926 wurde er mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet, den er an eine Stiftung weiter reichte.
Sloterdijk, Peter (*1947) Geboren in Karlsruhe, Studium der Philosophie, Germanistik und Geschichte in München und Hamburg. Sloterdijk zählt zu den produktivsten zeitgenössischen Philosophen, bekannt geworden ist er auch durch die ZDF-Fernsehsendung "Das Philosophische Quartett", das er gemeinsam mit Rüdiger Safranski präsentiert. Für Aufsehen sorgte er vor allem 1983 mit der zweibändigen "Kritik der zynischen Vernunft", die zu den meistverkauften philosophischen Büchern des 20. Jahrhunderts gehört. Sloterdijk lehrt als Professor für Philosophie an der Karlsruher Hochschule für Gestaltung und an der Wiener Akademie der bildenden Künste.
Solon (um 640 v. Chr. - 559 v. Chr.) Griechischer Staatsmann und Lyriker, der zu den sieben Weisen Griechenlands gezählt wird. Er reformierte die Athener Verfassung, um die Kluft zwischen Adel und Volk zu verringern. Standesvorrechte und Beamtenwillkür sollten abgeschafft und eine nach Leistung gestaffelte Beteiligung aller Bürger an der Regierung eingeführt werden. Zudem sorgte er für die Abschaffung von Wucher und kämpfte gegen die Abhängigkeiten, denen Kleinbauern durch Verschuldung ausgesetzt waren.